Gesprächsvermerk zwischen Herrn Christoph Winck, Verlagsleiter bei der Dorstener Zeitung, und den Herren Gerhard Pszolla / Klaus Roth, Fraktion „Bürger für Bürger“

Am 08. Aug. 2017 hat der Vorstand der unabhängigen Wählergemeinschaft „BfB-Schermbeck“ einen Brief an die Geschäftsführung des Verlages Lensing-Wolff nach Dortmund geschrieben. In diesem Brief, der vollinhaltlich auf unserer Homepage veröffentlicht ist, haben wir darum ersucht, uns zu erläutern, warum sich die Abo-Preise unserer Dorstener Zeitung vom 01.07.2010 bis heute um rund 57 % netto erhöht haben. Sowohl der Lebenshaltungskostenindex als auch die Brutto-Rentenerhöhungen als auch die zuzuordnenden Lohntariferhöhungen bewegen sich in diesem relevanten Zeitraum in kumulierter Summe jeweils auf einem deutlich niedrigeren Niveau.

Umso erfreulicher waren aus unserer Sicht die verschiedenen Reaktionen von leitenden Verlagsmitarbeitern. Diese Antworten haben Klaus Roth und Gerhard Pszolla zum Anlass genommen, einen Termin für ein persönliches Gespräch mit Christoph Winck, seines Zeichens Geschäftsführer des Dorstener und Halterner Zeitungsverlages und in Personalunion auch Mitglied der Geschäftsleitung zu vereinbaren.

Dieses Gespräch fand am 23. Aug. 2017 in den Räumlich-keiten der Dorstener Zeitung statt.

Aus nachvollziehbaren und auch verständlichen Gründen verzichtete Herr Winck auf die Offenlegung der Preis-kalkulation des Verlages Lensing-Wolff. Andere Zahlen wie Auflagenstärke, Zustellbezirke und Mitarbeiterzahlen wurden uns bereitwillig genannt, allerdings mit der Bitte versehen, diese aus Wettbewerbsgründen nicht zu veröffentlichen.

Die Welt der gedruckten Tageszeitungen steht mitten in einer tiefgreifenden Herausforderung, den extremen Wandel vom gedruckten zum digitalen Medium zu meistern. Ohne die vielfältigen neuen Geschäftsfelder hier detailliert aufzuführen, möchten wir nur stellvertretend für viele andere Produkte und Internet-Plattformen folgende Zeitungsvarianten nennen:

– Dorstener Zeitung als Tageszeitung gedruckt auf Papier

– Dorstener Zeitung als Internet-Plattform unter www.dorstenerzeitung.de

– Dorstener Zeitung als E-Paper, die komplett digitale Tageszeitung.

Diese und diverse andere parallel laufende Aktivitäten verursachen Investitionen und Kosten, die von den Ein-nahmen aus diesen Bereichen derzeit noch nicht abgedeckt werden. Durch sogenannte „Quersubventionen“ beteiligt sich der Leser und Abonnent der gedruckten Dorstener und auch der Halterner Zeitung mit seinem jeweiligen Zeitungs-Abo-Preis an diesen Investitionen in die neuen digitalen Medien und Geschäftsbereiche. Im Gegenzug hat der Abonnent der gedruckten Zeitung kostenlosen (Internet) oder stark rabattierten (E-Paper) Zugang zu diesen neuen Angeboten – anders als Nichtabonnenten.

Während zu Beginn des 21. Jahrhunderts die Kosten des Verlages zu 1/3 von den Abo-Preisen und zu 2/3 von den Anzeigenerlösen getragen wurden, hat sich das Verhältnis bis heute nahezu umgedreht. Stellvertretend für andere Anzeigenbereiche seien hier namentlich die Bereiche Autos, Immobilien und der Stellenmarkt genannt. Private Anzeigen für diese drei Bereiche sind in den vergangenen Jahren massiv zurückgegangen, da diese Geschäfte fast ausschließlich nur noch online angeboten werden. Genau gegensätzlich dazu verhält sich die Entwicklung der dafür zuständigen Mitarbeiter. Gab es vor 20 Jahren in Dorsten noch 2 Anzeigenberater sind hier und heute dafür 7 Mitarbeiter zuständig. Damit kommt zum Ausdruck, dass der Aufwand für das Anzeigengeschäft heutzutage um ein Vielfaches höher ist als zu den Zeiten der reinen Druckmedien, als es die Konkurrenz des Internets (eBay, Google, amazon etc.) noch nicht gab.

Abschließend ist folgendes Gesprächsergebnis festzuhalten:

Die eigentliche und damit grundsätzliche Herausforderung für die Zeitungsverlage besteht darin, die Leser und Abonnenten davon zu überzeugen, dass die Qualität der Tageszeitung und die Qualität der dahinter stehenden Mannschaft so gut ist, dass die Leser und Abonnenten bereit sind, den Preis für dieses „Luxusgut Tageszeitung“ auch noch in den kommenden Jahren zu akzeptieren. Im amerikanischen Markt gibt es schon heute Tageszeitungen, die nur noch einmal oder zweimal wöchentlich in gedruckter Form erscheinen. Langfristig betrachtet wird die gedruckte Tageszeitung in der uns heute bekannten Form gegenüber den digitalen Medien deutlich an Bedeutung verlieren. Heute ist die Tageszeitung im lokalen Markt (noch) das Leitmedium.

Fraktion „Bürger für Bürger“ im Rat der Gemeinde Schermbeck

Klaus Roth                       Gerhard Pszolla

Fraktionsvorsitzender       Fraktionsmitglied

Discuss: “Gesprächsvermerk zwischen Herrn Christoph Winck, Verlagsleiter bei der Dorstener Zeitung, und den Herren Gerhard Pszolla / Klaus Roth, Fraktion „Bürger für Bürger“”

  1. 7. September 2017 at 13:26 #

    Sehr geehrter Herr Roth,
    sehr geehrter Herr Pszolla,

    mit großem Interesse habe ich Ihr Schreiben von 08. August 2017 an den Verlag Lensing-Wolff bezüglich der Preissteigerung des Abonnementpreises und diesen Gesprächsvermerk gelesen.

    Leider vermisse ich die Anfragen des BfB- Schermbeck an die übrigen Tageszeitungen, welche in Schermbeck dem interessierten Leser zur Verfügung stehen, wie z.B. die NRZ und die Rheinischen Post (mit entsprechendem Lokalteil).

    Wurden solche Anfragen auch an die übrigen, in Schermbeck erhältlichen Tageszeitungen, gesendet?

    Sollte die Frage negativ beantwortet werden, so drängt sich mir der Verdacht auf, dass hier eine Verquickung von politischer Einflussnahme und persönlichen Interessen stattgefunden hat.

    Oder deutlicher ausgedrückt: Hier wurde die politische Macht des BfB- Schermbeck missbraucht bzw. zweckentfremdet, um persönlichen Nutzen bezüglich eines doch recht privaten Anliegens (nämlich der Abonnementpreis, welcher auf das private „Geldsäckle“ drückt) zu ziehen.

    Ich denke nicht, dass der „normale“ Abonnent in einem persönlichem Gespräch so bereitwillig Auskunft vom Geschäftsführer Herrn Winck bekommen hätte, wenn nicht ein gewisser öffentlicher Druck durch die Veröffentlichung des Anfrageschreibens auf dieser Internetplattform stattgefunden hätte.

    Offensichtlich scheinen hier die privaten Interessen von wenigen Abonnenten wichtiger zu sein, als die Problem der gesamten Schermbecker Bevölkerung.

    Geschrieben von Dennis Wegmann
  2. 8. September 2017 at 13:26 #

    Guten Tag Herr Wegmann,

    grundsätzlich sind wir hocherfreut darüber, dass unsere BfB-Homepage auch noch außerhalb von Schermbeck von politisch interessierten Mitmenschen gelesen und zur Kenntnis genommen wird. Vielen Dank dafür!

    Ihre Unterstellung des Missbrauchs und der Zweckentfremdung politischer Macht zu unserem privaten Vorteil weisen wir in aller Deutlichkeit zurück.

    Oberste Priorität bei der BfB-Wählervereinigung hat die Kernaussage „Wir setzen uns für die Interessen eines jeden Bürgers ein“. Naturgemäß sind diese Bürgerinteressen überwiegend persönlicher und damit auch privater Natur. Wir sind nicht an landes- oder bundespolitische Parteiprogrammvorgaben gebunden. Wir verstehen es als unsere kommunalpolitische Pflicht, uns manchmal auch nur mit dem Anliegen eines einzelnen Bürgers auseinanderzusetzen und erforderlichenfalls dazu auch einen Bürgerantrag zu stellen oder anderweitig aktiv zu werden.

    Vielleicht gehören Sie zu dem privilegierten Personenkreis, dem es auf Grund seiner persönlichen Einkommensverhältnisse völlig egal ist, ob sich der Abo-Preis seiner Tageszeitung in acht Jahren um 57 % erhöht hat? Bedingt durch die Altersstruktur der heutigen Leserinnen und Leser von Tageszeitungen sind sehr viele Rentnerinnen und Rentner von diesen Preiserhöhungen betroffen. Nimmt man das Delta zwischen den kumulierten Rentenerhöhungen im Vergleich zu den Abo-Preiserhöhungen, werden Sie verstehen, warum wir aus aktuellem Anlass versuchen, uns mit unseren politischen Möglichkeiten besonders für die Belange dieser Schermbecker Leserschaft einzusetzen. Dieses Geld fehlt den Rentnern für andere Posten der privaten Lebenshaltung jeden Monat in der Haushaltskasse.

    Nebenbei bemerkt hat es vor unserem Gespräch mit der Verlagsleitung der Dorstener Zeitung zu diesem Themenkomplex eine direkte Kontaktaufnahme zum Medienhaus Lensing-Wolff und den Herren Sandmann (Geschäftsführer) und Paffrath ( Leiter Customer Relationship Management) gegeben. Aus Kostengründen haben wir uns jedoch für die kleine Gesprächslösung vor Ort in Dorsten entschieden. Im Gesprächsverlauf kam es selbstverständlich auch zu der Frage der Preisgestaltung der übrigen Marktpartner der Dorstener Zeitung im Versorgungsgebiet Schermbeck. Auch die anderen Anbieter von Tageszeitungen in Schermbeck haben mit den gleichen und ähnlichen Marktproblemen in ihren Versorgungsgebieten zu kämpfen. Da die Preisunterschiede nur marginal sind, verzichteten wir aus Gründen der Übersichtlichkeit auf die tabellarische Aufbereitung und Darstellung.

    Mit freundlichen Grüßen

    Klaus Roth Gerhard Pszolla

    Geschrieben von Klaus Roth

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